Wein mit Egle: Herwig Jamek, der Trauben-Doktor

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Das bekannte Weingut Jamek in Joching wird vom gelernten Mediziner Herwig Jamek gleitet. Hier erzählt er, wie er zum Winzer wurde, warum er „bio“ für wichtig hält aber nicht auf 10.000 Jahre Weinbautradition verzichten will und wieso ihn ein 25-Jahre-Projekt nicht abschreckt.

„Mir macht der Weinbau Spaß, ich lebe gerne hier, bin gerne in der Natur und genieße es, meine vier Kinder rund um die Uhr um mich zu haben. Kurzum: Ich kann mir schlechtere Regionen vorstellen um zu leben und zu arbeiten – aber nicht viele schönere… “ So das Fazit von Herwig Jamek nach sechs Jahren im Traditionsweingut Jamek in Joching, in das er, wie es so schön heißt, „eingeheiratet“ und den Nachnamen seiner Frau, Julia Jamek, angenommen hat. Ein Name mit Klang, den er mit Würde in eine neue Zeit zu tragen weiß, doch dazu später. Geboren ist Jamek in Rohrendorf bei Krems, kein Wunder also, dass er schon als Kind zumindest am Rande mit dem Weinbau zu tun hatte. Gemeinsam mit dem Vater und dem Großvater wurde ein halbes Hektar Weingarten bearbeitet und als Kindheitserinnerung blieb, dass es eine Menge Arbeit war, Stämme zu putzen, Unkraut auszureißen und so manches andere mehr. Heute leitet Jamek eines der bedeutendsten und renommiertesten Weingüter des Landes. Ich habe ihn im Verkostungsraum des Restaurants Jamek zum Gespräch – und natürlich auch zur Verkostung – getroffen.

Egle: Wie haben Sie die Umstellung erlebt – vom Arzt zum Winzer?

 Jamek: Ich musste mir natürlich die Ausbildung holen. Ich war bis 2012 Anästhesist und habe dann zuerst den Weinbau-Facharbeiter und dann den Weinbau- und Kellermeister gemacht. Unterstützung gab es natürlich von meinen Schwiegereltern: Hans Altmann wirkt nach wie vor mit und auch meine Schwiegermutter Jutta, die ja die jüngste Jamek-Tochter in einem Vier-Mäderl-Haus war, arbeitet nach wie vor mit, obwohl sie seit Kurzem in Pension ist. Arzt bin ich übrigens immer noch – ich mache drei Mal im Monat Notarztdienste, damit ich den Anschluss nicht verliere. Das geht zumindest noch so lange, bis die Schwiegereltern endgültig in Pension gehen.

Die Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.

Egle: Und wie werden die Entscheidungen im Weingut Jamek getroffen?

Jamek: Gemeinschaftlich – mit meinen Schwiegereltern und unserem Kellermeister Volker Mader, der seit 32 Jahren im Haus ist und dem nach wie vor die Weinbereitung obliegt. Der kam als Küchenhilfe im Restaurant ins Haus und hat immer sehnsüchtig in die Weinberge hinausgeschaut. Eines Tages sagte dann Josef Jamek zu ihm: „Bua, kumm mit!“ Seither blieb er im Weingarten und im Keller und kommt nur noch zum Essen ins Restaurant.

Egle: A propos Restaurant. Wie wichtig ist das Restaurant Jamek, das inzwischen von ihrem Schwager Johannes geleitet wird, für das Weingut Jamek?

Jamek: Das Restaurant spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Zwischen zehn und zwanzig Prozent unserer Weine werden hier verkauft aber darüber hinaus ist es auch ein Aushängeschild, weil im Haus immer schon die Kombination von gutem Essen und Wein gepflegt wird. Wir haben Stammkunden seit 60 Jahren und ist auch schön, wenn dann der Enkel kommt und sagt: „Ich war schon mit meinem Großvater hier.“

Egle: Lange Jahre war der Weinstil in der Wachau geprägt von der Jagd nach Rekord-Gradationen und damit verbunden auch Botrytis und hohen Alkoholwerten. Wo entwickelt sich der Weinstil im Hause Jamek hin?

Jamek: Erstens gibt es bei uns fast immer die ganze Wachauer-Weinvielfalt. Wir lieben auch die Steinfeder, sie war immerhin der erste Leichtwein Österreichs. Wir versuchen jedes Jahr, eine zu haben und es gelingt uns auch fast immer. Dabei ist es stets unser Ziel, einen leichten Wein zu bekommen, der trotzdem Duft, Körper und Reife hat.

Bei den Smaragden ist es so, dass wir ihnen gerne mehr Zeit geben. Wir machen darum die Erstfüllung am 1. Mai und die Zweitfüllung kurz vor der Lese Anfang September. Aus unserer Sicht ist das vorteilhaft, weil die zusätzliche Reife im Holzfass dem Wein doch sehr hilft. Generell sage ich: Wein muss Freude machen und auch als Speisenbegleiter taugen. Es gibt tolle Kostweine aber kann man davon auch eine Flasche trinken? Von Duftbomben eher nicht…

Wir sollten nicht 10.000 Jahre Weinbautradition über Bord werfen.

Egle: Und könnten biodynamischer Weinbau oder Orange-Weine auch einmal ein Thema im Weingut Jamek sein?

Jamek: Wenn uns das einen Schritt weiter in Richtung Nachhaltigkeit bringt, dann sage ich: Wunderbar! Aber wir sollten deswegen nicht 10.000 Jahre Weinbautradition über Bord werfen. Natürlich ist „Bio“ grundsätzlich ein Thema und ich habe mich für den Bio-Zertifizierungskurs angemeldet, damit ich lerne, welche Gedanken dahinterstehen. Außerdem verwenden wir ja die Tools aus der „Bio-Welt“ wie den Traubenwickler, den wir in der Wachau flächendeckend einsetzen. Wenn es um Maßnahmen geht, die uns helfen, Insektizide zu vermeiden, dann bin ich der Erste, der dafür ist. Dasselbe gilt bei der Unkrautbekämpfung: Ich hasse Herbizide, das gehört ausgerottet. Aber natürlich bekommt man zwischen den Stöcken das Unkraut nur sehr schwer heraus. Wir haben sieben Geräte für das – es gibt keine perfekte Lösung aber wir kommen zurecht. So versuchen wir Schritt für Schritt in diese Richtung zu gehen aber ob es für die komplette Umsetzung taugt, wissen wir derzeit nicht. Was ich aber weiß: Ich kann es mir nicht leisten, Trauben zu verlieren, ich brauche im Herbst Trauben…

Ich kann es mir nicht leisten, Trauben zu verlieren.

Egle: Neben Grünem Veltliner und Rieslingen sind die Burgundersorten bei Ihnen ein wichtiges Thema. Auch der Pinot Noir oder Blauburgunder, der ja in der Wachau eine Rarität ist… warum macht man das?

Jamek: Mir ist der Blaue Spätburgunder persönlich wichtig und wir haben inzwischen schon sehr alte Stöcke um die ich mich gerne persönlich kümmere. Ich entblättere ostseitig, entferne die Beitrauben und wenn zu viel hängt, dann reduziere ich noch weiter. Das mache ich gerne selbst, weil das ist nicht so leicht zu erklären – und man bekommt dabei eine schöne Urlaubsbräune.

Die Weinqualität ist natürlich ein Dauerthema.

Egle: Was sind ihre nächsten Ziele und Projekte im Weingut?

Jamek: Die Weinqualität ist natürlich ein Dauerthema. Wo wollen wir hin, wie können wir noch besser werden? Man macht viele kleine Dinge anders über die Jahre, das merkt der Weinkonsument oft auch gar nicht aber man selbst spürt einen gewissen Entwicklungslauf. Wir haben uns in Richtung kleinere Gäreinheiten entwickelt, vergären alles im Stahltank und gehen dann für die Reife ins große Holzfass, da haben wir genug gut gepflegte Fässer; die kleineren Fässer lassen uns mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Das zweite große Thema ist die Revitalisierung und der Bau der Trockensteinmauern. In der Lage Achleiten haben wir gerade ein Projekt fertiggestellt, das uns 17 Jahre begleitet hat. Das waren 17 Mauern, die wir erneuert haben und jetzt ist der Weingarten wieder voll bestockt. Das nächste ist ein noch größerer Weingarten in der Achleiten, der 300 Meter breit ist und wo die Mauern zum Teil umgefallen sind. Man muss da langfristig denken, denn ich habe mir ausgerechnet, dass mich dieses Projekt ungefähr 25 Jahre begleiten wird. Aber es ist schön, wenn dann in so einem Weingarten wieder die ersten Reben wachsen – und solche Arbeiten helfen uns auch, dass wir unsere Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigen können.

Die Verkostung

Stein am Rain Grüner Veltliner Federspiel 2016

Feine Würze, sehr mineralisch, sehr zart und glockenklar, fein gestrickt, mild und harmonisch mit zarter Frucht, saftig, schöner Fluss, sehr elegant;

Grüner Veltliner Federspiel Ried Achleiten 2016

Intensive Würze, reife, gelbe Frucht, saftig mit minziger Kühle, am Gaumen feines Spiel von Frucht und Säure, geschmeidige Textur, schönes Fruchtkörbchen, auch deutlich spürbare, fast salzige Mineralik, saftig, animierend

Grüner Veltliner Liebenberg Smaragd 2016

Tiefe Würze, Fruchtkörbchen von Mandarinen bis gelbe, reife Äpfel, feingliedrig, kühl und animierend, saftig, viel Druck, vollmundig aber nicht mächtig, sehr kompakt und fokussiert, mit tollem Trinkfluss, hat Kraft, wirkt aber durchaus auch fragil und leichfüßig am Gaumen

Grüner Veltliner Achleiten Smaragd 2016

Noch sehr verhalten, wirkt im Duft dicht und kompakt, mineralisch, am Gaumen mächtiger Körper, reife Frucht, dicht gestrickt mit tiefer Mineralik, fast austrocknend, aber doch auch mit jenem Quäntchen Widerstand, das einen toller Trinkfluss ausmacht; natürlich durchaus schon reizvoll aber man sollte diesem Wein die nötige Reifezeit gönnen, dass er seine ganze Pracht entfalten kann.

Gelber Muskateller 2016 Vierblattl

Dezente, zarte Frucht im Duft, weiße Ribiseln, etwas Holunderblüte, am Gaumen typische, frische Frucht und animierende Säure, saftig, glockenklar, ruht in sich, das macht ganz einfach Trinkspaß, unkompliziert und doch nicht anspruchslos

Jochinger Riesling 2016

Sehr feingliedrig mit kühler, an Minze erinnernder Frucht im Duft, untermalt von hauchzarter Fruchtsüße, die im Hintergrund ganz leicht mitschwingt, am Gaumen fein ziseliert mit elegantem, lebendigem Säurespiel, beschwingt und leicht

Riesling Federspiel Ried Pichl 2016

Im Duft feine, mineralische Würze, fast opulenter Auftritt in der Nase, am Gaumen weich und geschmeidig, fast cremige Textur, saftige Frucht und schöne Länge, klingt am Gaumen noch sehr lange nach mit elegantem Süße-Säurespiel

Riesling Federspiel Ried Klaus 2016

Kühl und frisch, strahlig im Duft, mit intensiver Mineralik und fein ziseliertem Fruchtspiel; am Gaumen leichtfüßig und elegant, mit dezenter Salzigkeit und animierender, knackiger aber nicht unreifer Säure – eine Einladung nicht nur zum kosten, sondern auch zum gleich weiter trinken…

Riesling Smaragd Freiheit 2016

Kühl, mineralisch, rauchig, exotische Frucht wie Mandarine aber auch Quitte, legt sich am Gaumen schön an, mineralisch, wieder Quitte, viel Druck, aber auch sehr kompakt und fokussiert

Riesling Smaragd Ried Klaus 2016

Gelbfruchtig nach reifen Äpfeln, Birnen, mineralisch mit zarter Fruchtsüße, lebendiges Süße-Säurespiel, viel Druck, Steinobstnoten von weißem Pfirsich, mit dezenter Fruchtsüße, sehr dicht und druckvoll, mächtige Länge am Gaumen, ein Gigant auf 13,6 % Alkohol fokussiert, kraftvoll und doch leichtfüßig; macht jetzt schon Spaß, sollte aber noch Zeit bekommen

Weißburgunder Ried Hochrain 2016 Federspiel

Fröhliche, animierende Frucht im Duft, fein-nussige Aromen, zugleich kühl, traubig-saftiger Charakter, am Gaumen geschmeidig, druckvoll, aber auch animierend und leicht, traubiger Rückgeschmack mit ganz zarten Bitternoten dabei, langer Abgang und Nachklang

Weißburgunder Smaragd Ried Hochrain 2016

Dezent geröstetes Schwarzbrot, auch nussig mit zarter, grünblättriger Frucht, am Gaumen dicht, harmonisch, stoffig, mächtig viel Druck, unglaubliche Würze, dicht gewirkte Struktur, schöne Frucht, reife, gelbe Äpfel, tolle Länge, ganz großer Stoff für viele Jahre

Spätburgunder 2013

Wunderschöne, intensive Aromen von kleinen Waldbeeren, kühle, elegante Fruchtstilistik unterlegt von einer dezenten Kaffeenote; am Gaumen viel Finesse, dezente Leder- und Holzaromen, sehr fein eingestrickter Gerbstoff, schlanker, eleganter Fruchtkörper, feines Spiel von Fruchtsüße, animierender Säure und zartem Gerbstoff, der den herb-süßen Charakter dieses Weines ausmacht

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